Ramstein 1988: Handlungsweise und Schicksal
Der 28. August 1988 markiert ein Ereignis, das tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt ist. Für mich persönlich ist es eine Mahnung, wie sehr unsere Handlungsweise und scheinbar nebensächliche Lebensumstände über unser Fortbestehen entscheiden. Im "Spiegelsaal" der Erinnerung wird die Wirkung eines Flashbacks oft erst Jahrzehnte später voll sichtbar.
Ohne die Baustelle an meinem Haus wäre ich an jenem Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit an meiner gewohnten, prädestinierten Stelle direkt am Zaun gewesen. Eine "Lügenbrille" wäre nötig, um zu ignorieren, dass eine kleine Änderung im Zeitplan den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen kann. Besonders der Gedanke an die Ur-Gewalt, mit der der Nato-Stacheldraht in die Menge schlug, lässt das Blut gefrieren.
Die Baustelle als rettende Lebenslast
Indirekt verdanke ich mein Überleben meinem Schwiegervater. Sein Drängen zum Hausbau im Jahr 1987 schuf eine Lebenslast, die mich 1988 vollkommen beanspruchte. Mein Kopf war bei den verbleibenden Arbeiten und dem Ziel, 1989 einzuziehen. Was sich damals wie eine "Hölle" aus Arbeit und Reibereien anfühlte, erwies sich im Rückblick als Schutzraum.
Als die Bilder des Unglücks abends über den Bildschirm flackerten, mischte sich das Entsetzen mit der Erkenntnis des verpassten Schicksals. Über 35 Jahre lang habe ich Dokumentationen und Filme über Ramstein gemieden – ein klassischer Verdrängungsmechanismus, um die eigene Nähe zur Katastrophe nicht spüren zu müssen.
Begegnungen und flüchtige Spuren
Was bleibt, sind die Gedanken an die Menschen, denen man dort über die Jahre begegnet ist. Gleichgesinnte, deren Namen man nicht kennt, mit denen man aber durch die Leidenschaft für die Fliegerei verbunden war.
Besonders die Erinnerung an eine junge Familie und einen Harley-Besitzer kehren immer wieder zurück. Man hofft inständig, dass sie an jenem Tag nicht an der falschen Stelle standen. Die Wahrheit nicht zu wissen, ist manchmal schwer, aber vielleicht besser für den Seelenfrieden.
Wie die Hubschrauber drehen sich die Gedanken im Kreis. Ramstein Air Base Flugtag: 4 Hubschrauber in einem Nasenkreis, es ist wie ein Gedankenkreisel an diesen Scheiß.
Heute, da ich selbst Modellhubschrauber fliege, ist die Perspektive eine andere. 1977 lag ich technisch gesehen noch "in der Wiege" (beim ersten Treffen in Ladenburg), heute beherrsche ich die Mechanik. Doch die emotionale Mechanik von Ramstein bleibt unberechenbar. Selbst wenn es kein tägliches Leiden ist, so ist die jährliche Wiederkehr der Erinnerung eine Seelenlast, die nach Transformation verlangt.
Diese Reflexion zeigt: Lebenslasten (wie ein Hausbau) können vor größeren Katastrophen schützen. Erfahre mehr über die Verarbeitung solcher Muster auf der Sitemap.