BMW steht auf meinem Schlauch
Ein offener Brief an einen Hersteller, der einmal für mich "Freude am Fahren" bedeutete – und heute auf dem Schlauch meines Vertrauens steht.
Mein Herzschrittmacher für BMW setzt aus
Vertrauen ist kein Vertrag und keine Garantiebedingung. Es ist eher wie ein Herzschrittmacher im Hintergrund: unsichtbar, unauffällig, aber entscheidend dafür, dass der Rhythmus stimmt. Über viele Jahre hat BMW diesen Rhythmus bei mir gehalten. Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob ich mich auf das Auto verlassen kann – ich bin einfach gefahren.
Dann kam eine Phase, in der dieser Herzschrittmacher aussetzte. Nicht, weil ein einzelnes Teil kaputtging, sondern weil ein Zusammenspiel aus Defekten, Ratlosigkeit und fehlender Resonanz entstand. Technik kann versagen, das ist menschlich. Was wehgetan hat, war nicht der Fehler selbst, sondern das Gefühl, damit allein gelassen zu werden.
Der Stein auf meinem Schlauch
Seitdem liegt ein schwerer Stein auf dem Schlauch, über den früher der Lebenssaft „BMW“ in mein System geflossen ist. Die Verbindung ist nicht gekappt, aber sie ist blockiert. Ich kann sehen, was ihr baut, ich kann die Faszination für Technik noch spüren – aber sie erreicht mich nicht mehr ungebremst.
Es ist nicht das Geld, das hier im Vordergrund steht. Natürlich spielt es eine Rolle, wenn man viel investiert und wenig Verständnis zurückbekommt. Aber das eigentliche Defizit liegt an anderer Stelle: in der fehlenden Einsicht, in der Art, wie Prozesse verarbeitet werden, in der Frage, ob ihr überhaupt wahrnehmt, was eure Entscheidungen auf der Kundenseite auslösen.
Was mir gefehlt hat
Es wären drei einfache Sätze gewesen, die zwei Drittel der Wirkung entfalten könnten:
„Wir haben verstanden, was passiert ist.“
„Wir sehen, was es mit Ihnen gemacht hat.“
„Wir nehmen das ernst.“
Diese Sätze hätten nichts an der Vergangenheit geändert, aber sie hätten meinen inneren Rhythmus beruhigt. Sie hätten gezeigt, dass ich nicht nur eine Fallnummer im System bin, sondern ein Mensch, dessen Erfahrung euch interessiert. Stattdessen blieb eine Leerstelle – und genau dort hat mein Herzschrittmacher für BMW angefangen zu stolpern.
Der neue 3er als Test, nicht als Produkt
Mit der Neuen Klasse und dem kommenden 3er stellt ihr viel in Aussicht: einen Neuanfang, eine neue Architektur, eine neue Zeit. Für mich wäre ein solcher Wagen kein spontaner Kauf, sondern ein Test. Nicht für das Auto, sondern für euch.
Ich würde beobachten, ob ihr anders mit Fehlern umgeht. Ob Kommunikation mehr ist als Marketing. Ob ihr Verantwortung nicht nur juristisch, sondern menschlich versteht. Ob ihr zeigen könnt, dass ihr aus der Vergangenheit gelernt habt – nicht nur technisch, sondern in eurer Haltung.
Wenn die Freude am Fahren wieder überwiegen könnte, wäre das für beide Seiten gut. Ihr würdet einen Kunden zurückgewinnen, der nicht oberflächlich loyal ist, sondern bewusst. Ich würde ein Stück innerer Freiheit zurückgewinnen, weil der Stein auf meinem Schlauch leichter würde.
Was es bräuchte, damit der Rhythmus wieder stimmt
Ich erwarte keine großen Gesten und keine nachträglichen Kompensationen. Was ich mir wünsche, ist etwas anderes: eine sichtbare, spürbare Einsicht in eure eigenen Prozesse. Ein Zeichen dafür, dass ihr versteht, dass Vertrauen mehr ist als ein Slogan und dass es nicht nur beim Verkauf, sondern vor allem im Problemfall gepflegt werden muss.
Vertrauen ist ein Rhythmus, kein Urteil. Es entsteht über Zeit – und es kann über Zeit wieder wachsen. Aber dafür braucht es mehr als neue Modelle. Es braucht eine Haltung, die sagen kann: Wir haben hingeschaut. Wir haben gelernt. Wir nehmen ernst, was unsere Entscheidungen bei Menschen auslösen.
Dieser Text ist kein Wutzettel für den Bastelraum, sondern eine Einladung. Eine Einladung an BMW, den Stein auf meinem Schlauch nicht als lästiges Detail zu sehen, sondern als Symptom einer Beziehung, die ins Stolpern geraten ist – und die vielleicht, mit etwas Einsicht, wieder Takt finden könnte.